Psilocybin ist eine chemische Verbindung, die in einigen Pilzarten vorkommt1. Es gilt als „klassisches Psychedelikum“ und wird seit Jahrhunderten von indigenen Völkern Mittelamerikas genutzt, um spirituelle Erfahrungen und religiöse Rituale zu ermöglichen 2,3. Vor Kurzem wurde zudem in Spanien eine etwa 6000 Jahre alte Felsmalerei entdeckt, die die halluzinogenen Eigenschaften von Pilzen darstellt; ähnliche Darstellungen fanden sich auch auf dem afrikanischen Kontinent 4 – ein Beleg für die weltweite historische Nutzung dieser Substanz.
Wirkungen und therapeutischer Einsatz
Betrachtet man einige der subjektiven Wirkungen von Psilocybin, so ruft die Substanz in der Regel Veränderungen der visuellen und sensorischen Wahrnehmung, ein verändertes Zeitempfinden, Veränderungen im Denken und in der Stimmung sowie Synästhesien und Illusionen hervor 5. Diese Wirkungen gehen häufig mit mystischen oder spirituellen Erfahrungen einher, etwa einem Gefühl der Verbundenheit mit dem Universum und mit anderen Menschen, Erlebnissen tiefer Schönheit und Liebe und ähnlichen Erfahrungen, die eng mit einer positiven Lebenseinstellung verknüpft sind 6. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Psilocybin die emotionale Verbindung zu sich selbst, das psychische Wohlbefinden, die Empathie und die Lebenszufriedenheit steigert 6,7.
In jüngster Zeit ist das Interesse an dieser Substanz gestiegen, da vielversprechende Ergebnisse bei der Linderung der Symptome verschiedener psychischer Erkrankungen wie Depression, Angststörungen und Zwangsstörung sowie bei der Verringerung trauerbedingter Ängste vorliegen. Es gibt zudem Hinweise auf eine Abnahme von Suchtverhalten, insbesondere in Bezug auf Alkohol und Tabak 8,9,10.
Darüber hinaus zeigte eine Studie von Carhart-Harris und Kollegen aus dem Jahr 2012 11 mithilfe der Magnetresonanztomographie, dass Psilocybin die Aktivität zentraler Hirnregionen (wie des medialen präfrontalen Kortex und des posterioren cingulären Kortex) zu verringern scheint und die Konnektivität zwischen Hirnregionen erweitert, die normalerweise nicht miteinander in Verbindung stehen. Dadurch entstehen vorübergehende Zustände erhöhter Neuroplastizität im Gehirn, die die Betroffenen nicht nur für bestimmte kognitive Funktionen, sondern auch für die Inhalte der Psychotherapie empfänglicher machen.
Wichtig ist: Wie Psilocybin angewendet wird, spielt eine entscheidende Rolle, wenn man seinen möglichen Nutzen beurteilt. Sogenannte „Horrortrips“ können anhaltende negative Folgen haben 12, wenn sie nicht angemessen integriert werden, und für das heute populäre „Microdosing“, bei dem alle paar Tage sehr kleine Mengen eingenommen werden (theoretisch sollte die Dosis so gering sein, dass keine spürbare psychedelische Wirkung auftritt), gibt es bislang keine verlässliche Evidenz 13. Andererseits zeigen mehrere Studien, dass bereits eine einzige Sitzung mit höher dosiertem Psilocybin anhaltende positive Effekte haben kann 14,15,16,17. Das verdeutlicht, welchen Beitrag diese Form der Psychotherapie zur Gesundheitsversorgung leisten könnte – gerade im Vergleich zur Langzeiteinnahme von Antidepressiva, auf die viele Menschen nicht einmal ausreichend ansprechen. In Kombination mit einem psychotherapeutischen Programm könnte Psilocybin im klinischen Kontext zahlreiche Vorteile bieten.
Rechtslage
In den USA befindet sich Psilocybin derzeit in Phase-3-Studien zur Behandlung der therapieresistenten Depression und damit in einem sehr fortgeschrittenen Prüfstadium vor einer offiziellen Zulassung für diese Indikation. In Europa hat COMPASS kürzlich seine Phase-2b-Studie veröffentlicht: Zentrale Ergebnisse waren ein rascher Rückgang der depressiven Symptome nach einer einzigen Dosis der Substanz, wobei die Besserung auch nach 12 Wochen anhielt 18.
Trotz des wachsenden wissenschaftlichen und therapeutischen Interesses ist die Verwendung von Psilocybin in den meisten Ländern weiterhin illegal, darunter auch in Spanien. Nach geltendem Recht ist die Substanz nach wie vor als verbotener Stoff eingestuft 19. Zwar wird zunehmend darüber diskutiert, ob die Gesetzgebung zu psychedelischen Substanzen überarbeitet werden sollte, derzeit ist Psilocybin in Spanien jedoch sowohl für die klinische als auch für die Freizeitnutzung illegal und nicht zugänglich.
Aus diesem Grund setzen wir in der Clínica Synaptica weder eine psilocybingestützte Therapie noch andere Behandlungen mit Psilocybin ein und bieten sie auch nicht an. Wir möchten das aktuelle Wissen über den therapeutischen Nutzen verbreiten und verfolgen wissenschaftliche Fortschritte sowie Gesetzesänderungen aufmerksam. Solange die Gesetze es jedoch nicht erlauben, ist diese Behandlung leider nicht Teil unseres Leistungsangebots.
Quellen
1. Reiff, C. M., Richman, E. E., Nemeroff, C. B., Carpenter, L. L., Widge, A. S., … Rodriguez, C. I. (2020). Psychedelics and Psychedelic-Assisted Psychotherapy. American Journal of Psychiatry, appi.ajp.2019.1. doi:10.1176/appi.ajp.2019.19010035
2. Nichols, D. E. (2016). Psychedelics. Pharmacological Reviews, 68(2), 264–355. doi:10.1124/pr.115.011478
3. Samorini, G. (2019). The oldest archeological data evidencing the relationship of Homo sapiens with psychoactive plants: A worldwide overview. Journal of Psychedelic Studies, 3, 1-18. https://akjournals.com/view/journals/2054/3/2/article-p63.xml
4. Earliest evidence for magic mushroom use in Europe [Internet]. New Scientist. 2011. Available from: https://www.newscientist.com/article/mg20928025-400-earliest-evidence-for-magic-mushroom-use-in-europe/
5. Passie, T., Seifert, J., Schneider, U., & Emrich, H. M. (2002). The pharmacology of psilocybin. Addiction Biology, 7(4), 357–364. doi:10.1080/1355621021000005937
6. Griffiths, R., Richards, W., Johnson, M., McCann, U., & Jesse, R. (2008). Mystical-type experiences occasioned by psilocybin mediate the attribution of personal meaning and spiritual significance 14 months later. Journal of Psychopharmacology, 22(6), 621–632. doi:10.1177/0269881108094300
7. Lutkajtis, A., & Evans, J. (2023). Psychedelic integration challenges: Participant experiences after a psilocybin truffle retreat in the Netherlands. Journal of Psychedelic Studies, 6(3), 211-221. https://akjournals.com/view/journals/2054/6/3/article-p211.xml
8. Carhart-Harris, R.L., Bolstridge, M., Day, C.M.J., et al. (2018). Psilocybin with psychological support for treatment-resistant depression: six-month follow-up. Psychopharmacology, 235, 399–408. https://link.springer.com/article/10.1007/s00213-017-4771-x
9. Breeksema, J. J., Niemeijer, A. R., Krediet, E., et al. (2020). Psychedelic Treatments for Psychiatric Disorders: A Systematic Review and Thematic Synthesis of Patient Experiences in Qualitative Studies. CNS Drugs, 34(9), 925–946. https://link.springer.com/article/10.1007/s40263-020-00748-y
10. Wheeler, S. W., & Dyer, N. L. (2020). A systematic review of psychedelic-assisted psychotherapy for mental health: An evaluation of the current wave of research and suggestions for the future. Psychology of Consciousness: Theory, Research, and Practice, 7(3), 279–315. https://psycnet.apa.org/doiLanding?doi=10.1037%2Fcns0000237
11. Carhart-Harris, R. L., Erritzoe, D., Williams, T., et al. (2012). Neural correlates of the psychedelic state as determined by fMRI studies with psilocybin. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 109(6), 2138–2143.
12. Bienemann B, Ruschel NS, Campos ML, Negreiros MA, Mograbi DC. Self-reported Negative Outcomes of Psilocybin users: a Quantitative Textual Analysis. Carrà G, editor. PLoS ONE. 2020 Feb 21;15(2).
13. Marschall J, Fejer G, Lempe P, Prochazkova L, Kuchar M, Hajkova K, et al. Psilocybin microdosing does not affect emotion-related symptoms and processing: A preregistered field and lab-based study. Journal of Psychopharmacology. 2021 Dec 17;36(1):97–113.
14. Goodwin, G. M. et al. Single-dose psilocybin for a treatment-resistant episode of major depression. N. Engl. J. Med. 387, 1637–1648 (2022).
15. Raison, C. L. et al. Single-dose psilocybin treatment for major depressive disorder: a randomized clinical trial. JAMA 330, 843–853 (2023).
16. Carhart-Harris, R. et al. Trial of psilocybin versus escitalopram for depression. N. Engl. J. Med. 384, 1402–1411 (2021).
17. Bogenschutz, M. P. et al. Percentage of heavy drinking days following psilocybin-assisted psychotherapy vs placebo in the treatment of adult patients with alcohol use disorder: a randomized clinical trial. JAMA Psychiatry 79, 953–962 (2022).
18. COMPASS Pathways. (2022). Interim review: Psilocybin therapy for treatment-resistant depression (Version 15.05). COMPASS Pathways. Verfügbar unter: https://compasspathways.com/wp-content/uploads/2022/11/Compass_Interim-Review_20221031_v15.05.pdf
19. Observatorio Español de las Drogas y las Adicciones (OEDA). (2022). Informe sobre el estado de las drogas en España. Ministerio de Sanidad. Verfügbar unter: https://pnsd.sanidad.gob.es

