Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine Erkrankung, die durch eine starke Reaktivität oder Empfindlichkeit gegenüber äußeren und inneren Reizen gekennzeichnet ist, die an das traumatische Ereignis erinnern können. Sie geht mit sich aufdrängenden Erinnerungen, wiederkehrenden Träumen, Zuständen der Dissoziation von der Umgebung und vom eigenen Selbst sowie mit Zuständen starker Angst einher. Sogenannte „Flashbacks“ sind bei PTBS sehr häufig: Dabei kehrt die betroffene Person mit Gedächtnis und Körper (etwa mit Herzklopfen und Muskelanspannung) zu dem Ereignis zurück und durchlebt das Trauma gewissermaßen erneut. In der Clínica Synaptica in Barcelona (Spanien) behandeln wir PTBS unter anderem mit ketamingestützter Psychotherapie.
Eine PTBS kann sich nach jedem traumatischen Ereignis entwickeln, ob selbst erlebt oder miterlebt (so gibt es Menschen, die eine PTBS entwickeln, nachdem sie Zeugen eines Autounfalls geworden sind). Manche Menschen sind aus verschiedenen Gründen anfälliger für eine PTBS, etwa durch eine genetische Veranlagung, Substanzmissbrauch oder andere psychische Erkrankungen in der Vorgeschichte und mangelnde Resilienz, ein mehrdimensionaler psychologischer Faktor, der in der Psychologie in letzter Zeit intensiv erforscht wird. Grundsätzlich kann jedoch jeder Mensch nach traumatischen Erfahrungen eine PTBS entwickeln.
Eine PTBS kann dazu führen, dass Betroffene bestimmte Situationen meiden, die diese extremen Dissoziations- oder Angstreaktionen auslösen können, was ihre Selbstständigkeit und ihr Selbstvertrauen mitunter stark einschränkt. Sie kann sich auch auf das Gedächtnis auswirken und eine selektive Amnesie rund um das Trauma verursachen. Hinzu kommen häufig viele Symptome, die auch bei Depressionen auftreten, wie negative Gedanken, Erschöpfung, Anhedonie und andere negative Gefühlszustände. Nicht selten zeigen sich auch Verhaltensprobleme, die sich in Wut, Frustration und selbstschädigendem Verhalten äußern.
Individuelle Unterschiede, also Unterschiede in der Persönlichkeit und andere Faktoren, führen dazu, dass Menschen sehr unterschiedlich auf ein Trauma reagieren. So spricht man heute von den Stressreaktionen „Kampf, Flucht, Erstarrung oder Unterwerfung“ (fight, flight, freeze, fawn). Für diese Reaktion ist unser sympathisches Nervensystem zuständig. Sie ist manchmal angemessen (etwa um vor einem gefährlichen Tier zu fliehen), oft jedoch, vor allem bei traumatisierten Menschen, übermäßig oder unangemessen (zum Beispiel Herzklopfen und Schwitzen in einer nicht bedrohlichen sozialen Situation).
Menschen mit PTBS haben zudem eine um 78,5 % höhere Wahrscheinlichkeit als Menschen ohne PTBS, eine Begleiterkrankung zu entwickeln; am häufigsten sind Substanzmissbrauch, Depression und Angststörungen. Das führt zu erheblichen Schwierigkeiten im sozialen, beruflichen und alltäglichen Leben. Zur Behandlung der PTBS werden in der Regel Antidepressiva verordnet, ergänzt durch Psychotherapie. Verschiedene Verfahren können gute Ergebnisse zeigen, etwa EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing), KVT (kognitive Verhaltenstherapie) und körperorientierte Therapien wie TRE® (Übungen zum Lösen von Spannungen und Traumata, mit denen wir in der Clínica Synaptica arbeiten) oder die sensomotorische Psychotherapie.
Eine alleinige Pharmakotherapie bringt jedoch meist keine guten Ergebnisse – bis zu 30 % der Patientinnen und Patienten sprechen nicht an, und weniger als 30 % erreichen eine Remission. Zudem verschlechtert sich der Zustand bei vielen zunächst, bevor er sich bessert, was eine Phase mit hohem Risiko für die Betroffenen bedeutet. Deshalb wird weiter nach neuen Medikamenten geforscht, die den therapeutischen Prozess erleichtern können. Die ketamingestützte Psychotherapie (KAP) ist eines davon.
Einige Forschende vermuten, dass die Symptome der PTBS durch einen glutamatvermittelten Verlust neuronaler Verbindungen verursacht oder beeinflusst werden können – Ketamin wiederum stärkt die neuronalen Verbindungen in diesen Schaltkreisen und könnte so den Auswirkungen der PTBS entgegenwirken. Die Erkrankung führt zu einer Überaktivierung von NMDA-Rezeptoren, an denen Ketamin als Antagonist wirkt. Darüber hinaus ermöglicht Ketamin, traumatische Erinnerungen aus einem veränderten Bewusstseinszustand heraus zu erkunden, und schafft so die Gelegenheit, diese schwierigen Momente im therapeutischen Prozess zu bearbeiten.
Evidenz
In einer randomisierten Studie mit 41 Patientinnen und Patienten mit chronischer PTBS wurden im Abstand von zwei Wochen eine Ketamin- und eine Midazolam-Infusion verabreicht. Einige erhielten zuerst die Midazolam-Sitzung, andere zuerst die Ketamin-Sitzung, wobei weder sie noch das behandelnde Personal wussten, welches Medikament in welcher Sitzung gegeben wurde. Die PTBS-Symptomatik wurde 24 Stunden nach der Infusion gemessen; nach der Ketamin-Sitzung zeigte sich eine deutlich stärkere Besserung als nach der Midazolam-Sitzung.
Darüber hinaus gibt es mehrere Einzelfallberichte bei Erwachsenen und Kindern, die gute Ergebnisse zeigen. Diese Berichte zeigen jedoch auch, dass es schwierig ist, die Wirkung aufrechtzuerhalten. So zeigte beispielsweise ein Fall mit einer einzigen Ketamin-Infusion einen Rückgang der Symptome über 15 Tage, danach kehrte der Patient jedoch innerhalb von 24 Stunden in den vorherigen Zustand zurück. Möglicherweise lässt sich die Wirkung länger erhalten, wenn man dem Protokoll für die therapieresistente Depression folgt und mehrere Sitzungen in kurzer Zeit durchführt; um dies zu belegen, sind jedoch strenge wissenschaftliche Untersuchungen erforderlich. Ein weiterer Einzelfallbericht beschreibt, wie eine Patientin mit Bulimia nervosa, die durch mehrere traumatische Ereignisse kompliziert war, 18 Infusionen im Rahmen einer ketamingestützten Psychotherapie erhielt, was zu einer vollständigen und dauerhaften Remission führte.
Andererseits ist zu erwähnen, dass es gewisse Hinweise darauf gibt, dass Ketamin bei PTBS für Patientinnen und Patienten mit einem kürzlich erlebten Trauma kontraindiziert sein könnte. Eine Studie zeigte negative psychoaktive Auswirkungen von Esketamin und Ketamin bei diesen Patientinnen und Patienten, wobei Esketamin etwas ungünstiger war als racemisches Ketamin. Die Autoren vermuten, dass Ketamin in den Wochen nach dem traumatischen Ereignis eine Überstimulation der Glutamatrezeptoren verursachen und so dissoziative Symptome und traumatische Erinnerungen verstärken kann.
Weitere Forschung ist nötig, um ein geeignetes Protokoll für die Behandlung der PTBS mit ketamingestützter Psychotherapie festzulegen. Die bisher gesammelte Evidenz zeigt ein großes Potenzial dieser Therapie in diesem Bereich, doch es ist stets wichtig, einen sicheren und wirksamen Prozess für die Patientinnen und Patienten zu gewährleisten.
Wenn Sie mit den Folgen eines Traumas leben, besprechen wir in der Clínica Synaptica in Barcelona (Spanien) gern mit Ihnen, ob eine ketamingestützte Psychotherapie in Ihrem Fall sinnvoll sein kann. Mehr über unsere PTBS-Behandlung.



