Chronische Schmerzen, ein zermürbendes Leiden: Behandlung mit Ketamin in Barcelona (Spanien)

Feigenkaktus mit stacheligen Gliedern vor einer Wand in warmem Farbton als Sinnbild für chronische Schmerzen
Òscar Parés Franquero
Verfasst vonÒscar Parés FranqueroStudium der Philosophie und Anthropologie. Gründer und CEO der Clínica Synaptica.
Inhalt geprüft vom Team derClínica Synaptica

Was sind chronische Schmerzen und wie entstehen sie?

Chronische Schmerzen, meist definiert als Schmerzen, die länger als 3 Monate anhalten, gehören zu den häufigsten Ursachen für Behinderung in Europa und weltweit. Allein in Spanien schätzt die Spanische Gesellschaft für Neurologie (SEN), dass 32 % der Bevölkerung an irgendeiner Form von Schmerzen leiden und 11 % an chronischen Schmerzen. Das bedeutet eine körperliche wie psychische Belastung im Alltag der Betroffenen, die ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigt. In der Clínica Synaptica in Barcelona (Spanien) begleiten wir auch Menschen mit chronischen Schmerzen.

Es gibt viele Arten chronischer Schmerzen. Nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) lassen sie sich in sieben Kategorien einteilen:

  1. Chronische primäre Schmerzen, die funktionelle oder psychische Störungen multifaktorieller Ursache umfassen und nicht durch eine zugrunde liegende Erkrankung verursacht werden.
  2. Chronische Tumorschmerzen, die – wie der Name sagt – durch die Krebserkrankung und ihre Behandlung verursacht werden.
  3. Chronische postoperative oder posttraumatische Schmerzen, also Schmerzen nach einer Verletzung oder Operation, die über die Heilungsphase hinaus bestehen bleiben.
  4. Chronische neuropathische Schmerzen, die durch eine Läsion oder Erkrankung des Nervensystems verursacht werden.
  5. Chronische orofaziale Schmerzen und Kopfschmerzen, die durch Verletzungen im Mund- und/oder Gesichtsbereich sowie durch Kopfschmerzen verursacht werden.
  6. Chronische viszerale Schmerzen, also Schmerzen der inneren Organe.
  7. Chronische muskuloskelettale Schmerzen, die von Knochen, Gelenken, Muskeln, der Wirbelsäule, Sehnen oder Weichteilen ausgehen.

Diese Einteilung hilft zwar, bestimmte Schmerzformen zu unterscheiden, doch die Kategorien schließen sich nicht gegenseitig aus: Eine Diagnose kann durchaus mehreren Kategorien entsprechen. Eine der größten Schwierigkeiten bei chronischen Schmerzen ist jedoch bereits der Weg zur Diagnose, denn häufig können Ärztinnen und Ärzte keine konkrete Ursache für die Schmerzen feststellen. Das kann körperlich wie psychisch ein mühsamer Prozess sein, in dem sich die Betroffenen sehr oft nicht ernst genommen und stigmatisiert fühlen. Glücklicherweise ist unser Wissen über Schmerzen in den letzten Jahrzehnten deutlich gewachsen, und Fachleute sind heute besser über ihre Ätiologie und Erkennung ausgebildet und informiert.

Auch wenn es in der Behandlung chronischer Schmerzen große Fortschritte gegeben hat, ist sie nach wie vor äußerst kompliziert. Manche Beschwerden lassen sich mit einfachen Entzündungshemmern wie Ibuprofen lindern (Nackenverletzungen, Verstauchungen usw.). Diese Medikamente haben jedoch einen Ceiling-Effekt, also eine Obergrenze dafür, wie viel Schmerz sie kontrollieren können. Bei stärkeren Schmerzen werden auch Opioide verschrieben, doch das Risiko von Abhängigkeit und Nebenwirkungen ist bei diesen Medikamenten deutlich höher. Zu den am häufigsten bei chronischen Schmerzen verschriebenen Medikamenten gehören Antidepressiva wie SSRI und andere. Das ist besonders hervorzuheben, da viele Menschen Schmerzen als rein körperliches Phänomen betrachten. Die Evidenz weist jedoch auf ein deutlich komplexeres Schmerzverständnis hin, bei dem psychologische und soziale Faktoren einen großen Einfluss haben. Das bedeutet, dass auch die Schmerzbehandlung multidisziplinär sein muss – mit kombinierten Maßnahmen aus Bewegung und Physiotherapie, Medikamenten, Ernährung und psychologischer Therapie.

In den letzten Jahren ist die Zahl der Studien zum Einsatz von Ketamin bei chronischen Schmerzen sprunghaft gestiegen. Da Ketamin in der Medizin als Allgemeinanästhetikum verwendet wird, gibt es umfangreiche Belege für seine sichere Anwendung; zudem ist das Abhängigkeitsrisiko geringer als bei anderen Medikamenten wie Opioiden. Mögliche Nebenwirkungen sind ebenfalls gering und meist nur vorübergehend; am häufigsten treten Übelkeit und Erbrechen auf – ebenso wie beim Einsatz von Ketamin bei Depressionen. 

Die Evidenz

Zum Einsatz von Ketamin bei chronischen Schmerzen gibt es zahlreiche Veröffentlichungen. In einer 2019 veröffentlichten Arbeit führten Orhurhu und Kollegen eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von Studien durch, die die Wirksamkeit von intravenösem Ketamin zur Linderung chronischer Schmerzen im Vergleich zu Placebo untersuchten. Diese Studien umfassten Schmerzen sehr unterschiedlicher Ätiologie, etwa neuropathische Schmerzen, Tumorschmerzen und nozizeptive Schmerzen (verursacht durch eine Schädigung äußeren oder inneren Gewebes). Insgesamt wurden sieben Studien einbezogen, in denen die Patientinnen und Patienten an mäßigen bis starken Schmerzen litten. Es zeigte sich eine signifikante Schmerzreduktion bis zu 4 Wochen nach der ersten Behandlung. Diese Reduktion fand sich gleichermaßen bei allen untersuchten Schmerzarten.

Eine weitere Studie von Zhao und Kollegen (2018) untersuchte die Wirkung von Ketamin bei der Behandlung des komplexen regionalen Schmerzsyndroms (CRPS). Dieses wenig verstandene Syndrom tritt meist nach einer Verletzung oder Operation auf und verursacht chronische Schmerzen, die in keinem Verhältnis zur Verletzung stehen. In dieser Metaanalyse fanden die Forschenden eine deutliche Schmerzreduktion, die bis zu 3 Monate nach der ersten Behandlung anhielt. Diese Ergebnisse sind sehr vielversprechend für die Zukunft der Behandlung chronischer Schmerzen und deuten auf ein großes Potenzial von Ketamin bei verschiedenen Schmerzarten hin.

Wie bereits erwähnt, lassen sich chronische Schmerzen am besten mit einer multidisziplinären Behandlung angehen. Ketamin bietet eine spürbare und wichtige Linderung: Indem es die Schmerzsymptomatik verbessert, ermöglicht es den Betroffenen, therapeutische Techniken wie Achtsamkeit und tiefe Atmung anzuwenden. Zudem entstehen ständig neue Forschungsansätze, etwa durch den Einsatz von Technologie. Virtuelle Realität wird bereits in vielen Zentren für verschiedene Behandlungen genutzt, zum Beispiel für geführte Meditationen und Psychoedukation. Bei einem so beeinträchtigenden Problem wie chronischen Schmerzen ist es entscheidend, diese Forschungsrichtungen weiterzuverfolgen, um auf diesem Gebiet voranzukommen und immer wirksamere und individuellere Behandlungen anbieten zu können.

Wenn Sie unter chronischen Schmerzen leiden, prüfen wir in der Clínica Synaptica in Barcelona (Spanien) gemeinsam mit Ihnen, ob eine ketamingestützte Behandlung als Teil eines multidisziplinären Ansatzes für Sie infrage kommt. Mehr über unsere Behandlung chronischer Schmerzen.

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