In einer Welt, die sich immer schneller dreht, werden Angststörungen immer häufiger und beeinträchtigen unsere Lebensqualität, unsere sozialen Beziehungen sowie unsere persönliche und berufliche Entwicklung erheblich. Die Behandlung kombiniert in der Regel psychologische und medikamentöse Ansätze; das Erlernen von Techniken zur Stressbewältigung ist dabei ein unverzichtbarer Bestandteil. In der Clínica Synaptica in Barcelona (Spanien) verfolgen wir die Forschung zu neuen Optionen wie Ketamin mit großem Interesse.
Auch zur ketamingestützten Psychotherapie bei Angststörungen gibt es zunehmend neue Evidenz. Medikamentöse Standardbehandlungen wie SSRI und Benzodiazepine zeigen nur eine begrenzte Wirksamkeit und können Nebenwirkungen wie Sedierung und Abhängigkeit verursachen (Kolovos et al., 2017). Es braucht neue Ansätze zur Behandlung von Angst und verwandten Störungen, die häufig von unablässigen, unkontrollierbaren Sorgen geprägt sind. Ketamin, ein traditionell als Anästhetikum eingesetztes Medikament, gehört zu den Psychedelika, die in jüngster Zeit zur Linderung von Angst und verwandten Störungen untersucht wurden.
Ein kurzer Blick auf die Wirkmechanismen
Chronische oder therapieresistente Angst kann die Glutamatrezeptoren im Hippocampus schädigen und zu einem Rückgang von Neuronen im präfrontalen Kortex führen, was Stimmungs- und Denkstörungen nach sich zieht. Medikamente, die NMDA-Rezeptoren blockieren, können helfen, die Funktion des Hippocampus wiederherzustellen, indem sie dessen Aktivität verringern, wie Tierstudien gezeigt haben. Ketamin blockiert die NMDA-Rezeptoren hemmender GABA-Neuronen und steigert dadurch die Glutamatfreisetzung (Trullas und Skolnick, 1990). Dieses zusätzliche Glutamat aktiviert AMPA-Rezeptoren, die die Aktivität von BDNF und mTORC1 verstärken – Schlüsselmoleküle, die das Wachstum und die Flexibilität von Gehirnzellen fördern. Neuere Studien haben zudem untersucht, wie die Metaboliten von Ketamin zu seiner antidepressiven Wirkung beitragen (Highland et al., 2021).
Ketamin bei sozialer Angststörung
Eine Studie aus dem Jahr 2018 (Taylor et al., 2018) testete Ketamin bei 18 Erwachsenen mit sozialer Angststörung (SAS). Sie erhielten entweder eine niedrige intravenöse Ketamindosis (0,5 mg/kg über 40 Minuten) oder ein Placebo. Das Ergebnis? Ketamin verringerte die Angst laut einer klinischen Skala (LSAS) deutlich stärker als das Placebo, mit Effekten, die bis zu zwei Wochen anhielten. Etwa 1 von 3 Personen erlebte eine deutliche Besserung, in der Placebogruppe dagegen niemand. Auch wenn die Studie klein ist, zeigt sie vielversprechende Ergebnisse für den Einsatz von Ketamin bei sozialer Angststörung. Zu beachten ist, dass Ketamin ohne therapeutische Begleitung verabreicht wurde. Mit einer solchen Kombination wären die Ergebnisse wahrscheinlich besser ausgefallen, da sich die tiefgreifenden Veränderungen im Selbsterleben und in der Wahrnehmung, die Ketamin anstoßen kann, nutzen ließen, um mögliche angstlindernde Verhaltensänderungen zu festigen und zu verankern.
Bei schwer behandelbarer Angst
Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022 (Tully et al., 2022) analysierte 18 Studien mit mehr als 500 Menschen mit anhaltender Angst, darunter generalisierte Angststörung (GAS) und soziale Angststörung, häufig zusammen mit Depression. Ketamin, intravenös, als Injektion oder in Tablettenform verabreicht, verringerte die Angst innerhalb weniger Stunden, mit einem Nutzen, der bis zu einer Woche anhielt. So zeigte etwa eine Studie, dass wöchentliche Injektionen das Angstniveau über Tage senkten. Ketamin wirkt, indem es überaktive Signale im Gehirn beruhigt; seine Wirkung lässt jedoch nach, sodass anfangs wiederholte Dosen nötig sind, und ein psychotherapeutischer Integrationsprozess kann helfen, die Veränderungen zu festigen.
Ergebnisse aus der Praxis
Eine Studie aus dem Jahr 2023 (Tuuli et al., 2023) begleitete mehr als 2700 Patientinnen und Patienten in US-amerikanischen Kliniken, die eine intravenöse Ketamintherapie (KIT) erhielten. Davon wurden über 800 Teilnehmende im Verlauf der laufenden Sitzungen untersucht. Die KIT verringerte Angst- und Depressionssymptome deutlich, und viele fühlten sich ein Jahr lang besser. Bemerkenswert: 80 % der Patientinnen und Patienten mit Suizidgedanken erlebten eine Besserung, und bei etwa 50 % verschwanden diese Gedanken vollständig. Im Vergleich zu Menschen, die Standard-Antidepressiva einnahmen, erholten sich die Patientinnen und Patienten mit KIT schneller von Depression und Angst.
Was das für Sie bedeutet
Ketamin kann bei schweren Angstzuständen rasch Linderung bringen, vor allem wenn andere Behandlungen versagen. Es ist kein Allheilmittel: In der Clínica Synaptica sind wir überzeugt, dass eine gute psychotherapeutische Begleitung ein wesentlicher Teil dieses Prozesses ist, um die Ursachen und Folgen der Angst im Alltag zu ergründen und Veränderungen zu fördern und zu verstärken. Während die Forschung weiter voranschreitet, setzen wir uns dafür ein, allen, die Hilfe brauchen, eine Versorgung auf höchstem Niveau zu bieten.
Literatur
Highland JN, Zanos P, Riggs LM, et al. Hydroxynorketamines: pharmacology and potential therapeutic applications. Pharmacol Rev. 2021;73(2):763-791.
Kolovos, S., van Tulder, M.W., Cuijpers, P., Prigent, A., Chevreul, K., Riper, H., Bosmans, J.E., 2017. The effect of treatment as usual on major depressive disorder: A meta-analysis. J. Affect. Disord. 210, 72–81. doi:10.1016/j.jad.2016.12.013
Taylor JH, Landeros-Weisenberger A, Coughlin C, Mulqueen J, Johnson JA, Gabriel D, Reed MO, Jakubovski E, Bloch MH. Ketamine for Social Anxiety Disorder: A Randomized, Placebo-Controlled Crossover Trial. Neuropsychopharmacology. 2018 Jan;43(2):325-333. doi: 10.1038/npp.2017.194. Epub 2017 Aug 29. PMID: 28849779; PMCID: PMC5729569.
Trullas R, Skolnick P. Functional antagonists at the NMDA receptor complex exhibit antidepressant actions. Eur J Pharmacol. 1990;185(1): 1-10. doi:10.1016/0014-2999(90)90204-J
Tully JL, Dahlén AD, Haggarty CJ, Schiöth HB, Brooks S. Ketamine treatment for refractory anxiety: A systematic review. Br J Clin Pharmacol. 2022 Oct;88(10):4412-4426. doi: 10.1111/bcp.15374. Epub 2022 May 20. PMID: 35510346; PMCID: PMC9540337.
Tuuli M. Hietamies, L. Alison McInnes, Andrew J. Klise, Matthew J. Worley, Jimmy J. Qian, Leanne M. Williams, Boris D. Heifets, Steven P. Levine (2023). The effects of ketamine on symptoms of depression and anxiety in real-world care settings: A retrospective controlled analysis, Journal of Affective Disorders, 335, pg 484-492, https://doi.org/10.1016/j.jad.2023.04.141.
Wenn Angst Ihren Alltag stark einschränkt und bisherige Behandlungen nicht ausgereicht haben, beraten wir Sie in der Clínica Synaptica in Barcelona (Spanien) gern zu den Möglichkeiten einer ketamingestützten Psychotherapie. Mehr über unsere Behandlung von Angststörungen.



